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Axis & AlliesWenn der Japaner erst in Moskau steht… „Axis & Allies“ ist derzeit das Kriegsstrategiespiel unter den Brettspielvarianten, ein Spiel mit Tradition und weltweit beachtlicher Fanbase. Es gibt inzwischen zahlreiche Varianten wie „A&A D-Day“, „A&A Europe“, „A&A Pacific“ und – neulich auf der Spielemesse 07 in Essen zu bewundern – eine Art Warhammer-Table-Top-Variante. In der klassischen Variante „Axis & Allies“ liefern sich die drei Alliierten Großbritannien, USA und UdSSR ab 1942 zahlreiche Gefechte mit den beiden Achsenmächten Deutschland und Japan. Das Spiel ist für zwei bis fünf Spieler ausgelegt. In der festgelegten Spielreihenfolge UdSSR – Deutschland – Großbritannien – Japan – USA kaufen die Spieler für so genannte Industrial Production Points (IPC) neue militärische Einheiten, führen Angriffszüge auf der Weltkarte durch, schließen sogenannte „Non-Combat Moves“ an, bauen die eingekauften Einheiten in ihren Produktionsstandorten auf und kassieren je nach besetzten Territorien neue IPC. Das Spiel endet bei Verlust sämtlicher Hauptstädte einer Seite oder – in der Kurzspielvariante – bei Besetzung bestimmter strategischer Zentren.
Den verschiedenen Einheiten sind je nach Waffengattung Angriffs- und Verteidigungswerte zugeordnet, zudem unterscheiden sie sich bezüglich der Reichweite und der Kosten. Bomber können z.B. sechs Felder fliegen und würfeln im Angriff auf „Vieren“ (1-4 treffen, 5 und 6 verfehlen), in der Verteidigung lediglich auf „Einsen“, ein Bomber kostet 15 IPC, Seefelder können passiert werden. Eine einfache Infanterie kostet 3 IPC, verteidigt auf „Zweien“, attackiert auf „Einsen“ und kann sich ein Landfeld bewegen, es sei denn, ein Transporter verschifft die Einheit über ein Seefeld. Sowohl die Startaufbauten als auch die Kampfwerte und Kosten der verschiedenen Einheiten sind weitestgehend realistisch. Der Glücksfaktor ist durch das Würfelsystem bei „kleinen“ Kämpfen eher hoch, bei Gefechten zwischen „Türmen“ (also massiven Ballungen von Einheiten) gemäß den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit eher gering. Entsprechend kann man ein eher riskantes Spiel aufziehen oder auf Sicherheit spielen. Doch ganz ohne Wagnis droht zumindest den Achsenmächten, vor allem Deutschland, schnell die Einkreisung und ein koordinierter Doppelschlag durch Großbritannien und die USA auf Berlin. Es gehört Zielstrebigkeit, räumliches Denkvermögen, ein wenig Begabung in Wahrscheinlichkeitsrechnung und vor allem eine kluge Einkaufspolitik dazu, um „Axis & Allies“ zu gewinnen. Ist man erst in arger Bedrängnis, so kann die Möglichkeit der „Forschung“ weiterhelfen. Eingekaufte Würfel können hier eingesetzt werden um z.B. U-Boote zu verbessern, schwere Bomber zu erfinden, Raketen zu bauen oder die Reichweite der Flugeinheiten zu erweitern. Auch hier ist eine Portion Glück von Nöten. „Axis & Allies“ besticht durch Ausgewogenheit und schönes Spielmaterial. Die Vielfalt der Einheiten und der historische Bezug machen das Spiel zu einem atmosphärisch dichten Erlebnis. Doch es sind auch einige Aspekte zu beachten, die das Spielvergnügen eventuell trüben können. An erster Stelle ist da sicherlich die Rahmenhandlung zu nennen. Das militärische Geschick über die Achsenmächte zu übernehmen mag gerade als Deutscher ein eher zweifelhaftes Vergnügen sein. Gott sei Dank verzichtet das Spiel auf Hakenkreuze oder ähnliche faschistische Symbole: die besetzten Territorien werden mit runden Chips markiert, auf denen ein eisernes Kreuz auf rotem Grund zu sehen ist. Dennoch: Für die amerikanischen Entwickler mag der zweite Weltkrieg als Aufhänger für ein „Game of high adventure“ (Spielverpackung) dienen, es bleibt jedoch ein mulmiges Gefühl. „Axis & Allies“ ist auf jeden Fall kein Familienspiel. Ohne kritische Distanz und Entkopplung des Spielerlebnisses vom eigenen historischen Bewusstsein wäre das Spiel unerträglich. Entsprechend sind die „Axis & Allies“-Spiele in Deutschland in der Regel im normalen Spielgeschäft nicht erhältlich. Man muss auf Internetanbieter, Versandhäuser, Internetauktionen oder Spielemessen ausweichen. Ein weiteres Problem besteht in der typischen Frontentwicklung in Asien. In beinahe allen Partien gelingt es Japan früher oder später ganz Asien, einschließlich Indien, Persien, Sibirien und Kasachstan, zu besetzen. In der Regel fällt Moskau durch japanische Einheiten, nur sehr selten durch deutsche. Mit der Realität, bzw. mit den militärischen Potentialen im Jahre 1942 hat dies eher weniger zu tun. Dumm auch, dass ganze Partien durch unglaubliches Würfelglück (oder Pech, je nach Standpunkt) völlig ruiniert werden können. Zudem ist die typische Spieldauer mit fünf bis acht Stunden nur für Hartgesottene akzeptabel. Daher spielen viele Fans inzwischen „Axis & Allies“ über einen eigenen Server im Internet und in der „Low Luck“-Variante. Hier spart man mühselige Kleinarbeit beim Stapeln von Einheiten und Sortiererei, das Low-Luck-Prinzip macht die Kämpfe weitaus kalkulierbarer – die Kampfwerte aller Einheiten werden einfach addiert und durch sechs geteilt, um die Zahl der Treffer zu bestimmen, der Restwert wird mit einem Würfel gewürfelt. Triple A, wie die kostenlose Internetversion des Brettspiels heißt, bietet außerdem zahlreiche Maps, z.B. eine Mittelerde-Map, eine Map des ersten Weltkriegs oder eine „Pact of Steel“-Map mit der dritten Achsenmacht Italien. Bei einer Anschaffung ist unbedingt von der ersten Edition abzuraten. Die neuere, zweite Edition bietet mit zwei zusätzlichen Waffengattungen (Zerstörer und Artillerie), einem ausgewogeneren Forschungssystem und optionalen Regelvarianten wesentlich mehr Spielspaß. Der größte Vorteil besteht in dem intelligenteren Zuschnitt der Territorien, wodurch mehr taktische Flexibilität und Abwechslung geschaffen wird. „Axis & Allies“ ist zu Recht der Klassiker unter den Kriegsstrategiespielen und lässt z.B. das populärere Risiko ziemlich alt aussehen. Wer genug Zeit mitbringt, für einige Stunden sein Gewissen abschalten kann und taktisch auf der Höhe ist, sollte damit bestens bedient sein. Axis & Allies (2nd. Edition) Spieler: 2-5 Verlag: Avalon Hill (frühere Versionen: MB) Dauer: ca. 300-480 Minuten |