Ein Fernsehmoment voll Irrwitz, Heiterkeit und Holocaust Es ist 02.00 Uhr Nachts, ich spiele noch was im Internet. Im Hintergrund läuft Pro7, wie meistens. Ich höre und schaue kaum noch hin, inzwischen läuft die Pro7-Gewinnspielshow Night-Loft. Zwei bezaubernde Moderatorinnen, die braun- und die blondhaarige, buhlen im schwarzen Partnerdress um die Gunst der potentiellen Anrufer. Es ist ein regelrechter Moderationswettbewerb. Die Sendung braucht Tempo, es gilt das furchtbare Sendungskonzept durch jugendliche Frische, Witz und Spontanität über Wasser zu halten. "Have the time of your life!" verspricht der Titelsong, "Arriba!". Dann kommt einer dieser seltenen TV-Momente, die man am besten live erleben sollte, damit man es glaubt. Ein männlicher Anrufer erzählt irgendwas von seiner Arbeit, er hat gerade 300 € oder so gewonnen, da witzelt die Braunhaarige unbefangen, jugendlich-frisch und spontan: "Ja! Arbeit macht frei!" Ich hör's im Hintergrund, stutze, schaue auf den Fernseher und sehe die Braunhaarige fröhlich lachen. Die Blondhaarige schaut verwirrt, man sieht ihr die Irritation förmlich an. Sie ist zerrissen zwischen Präsentationsroutine (frisch, fröhlich, frei) und der Überlegung, was da gerade passiert ist, was da jetzt irgendwie nicht gestimmt haben kann. Die Braunhaarige verlässt das Bild fünf Minuten später, die Blondhaarige muss alleine weitermachen. Kurz vor Ende der Sendung kehrt die Braunhaarige in's Bild zurück. Sie schaut jetzt sehr ernst und entschuldigt sich wortreich für das, was ihr da eben im frisch-fröhlichen Leichtsinn rausgerückt ist. Man komme halt auf so Sachen, die man irgendwo aufgeschnappt hat. Vor hunderttausend Zuschauern. Im Fernsehen. Dokumentiert. Tragisch.
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