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Big Brother als politische Bildung In der Entscheidungsshow am Montag, dem 24. März 2008, durften Zuschauer der Reality-Soap „Big Brother“ ein Novum erleben: Die erste halbe Stunde drehte sich ausschließlich um das Thema „Verantwortung für die Deutsche Vergangenheit“. Dem war zwei Wochen zuvor der Rausschmiss der Bewohnerin Rebecca vorausgegangen; sie hatte beiläufig ihrer Freude durch ein „Sieg Heil“ Ausdruck verliehen, worauf Endemol die Konsequenzen zog. Die Moderatorin Miriam Pielhau unterhielt sich mit einem Auschwitz-Überlebenden, der in einer anschließenden Kurzdokumentation zum Ort des Schreckens zurückkehrte und über seine Erlebnisse im Konzentrationslager berichtete. Ein Historiker nahm Stellung zu der Frage, ob das Bewusstsein für den nationalsozialistischen Terror bei jungen Menschen schwinde. Rebecca selbst unterhielt sich in einem Beitrag mit dem Überlebenden und bekam Gelegenheit, sich in der Show von ihrer Äußerung zu distanzieren. Abschließend nahm der „Big-Brother“-Psychologe noch einmal Stellung und unterstrich, dass Rebeccas Äußerung zweifellos unüberlegt und ohne bösartigen Hintergrund zu Stande kam, jedoch in dieser Form zu sanktionieren sei, da der Respekt vor den Opfern ein solches Verhalten erst recht in einer TV-Show, allerdings auch im privaten Raum unduldbar macht. Die Ernsthaftigkeit und Gründlichkeit, die sich die allgemein doch eher seichte Sendung hier auferlegte, wirkte zum Teil bizarr, erst Recht vor der stylischen Kulisse mit den Trendsofas, den Spotlights, dem Showlogo und dem Intro zu Sunrise Avenue’s „I Chose To Be Me“. Auf der anderen Seite muss jedoch auch Achtung ausgesprochen werden für den Mut, in diesem Rahmen eine derart ernsthafte Auseinandersetzung mit so viel Sendezeit auszustatten. Vermutlich dürfte die „typische“ Zuschauerklientel wenig angetan gewesen sein. Die Entscheidung bleibt dennoch richtig.
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