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Christoph Cadenbach schreibt bei spiegel.de zu Dennis Gansels neuem Film, "Die Welle". Auch wenn seine Sicht der Dinge stimmen mag, ohne Eigenkenntnis des Film ist das schwierig zu sagen (obwohl wir uns ja nie durch Fakten- und Wissensmangel von lautstarken Meinungen abhalten lassen), so erscheinen zwei Punkte des Textes fragwürdig. 1. "Der Kinofilm "Die Welle" zeigt, wie leicht auch heute Wiedergänger der Hitler-Jugend geschaffen werden könnten." No such thing. Es ist Fiktion, und unmittelbar bleibt es dies auch erst mal. Es mag überzeugend wirken und gut konstruiert sein, aber das heißt noch lange nicht, dass man daraus Rückschlüsse auf unsere Realität ziehen kann. Es besteht die Möglichkeit aber nicht der Zwang der Korrelation. Wenn Rembrandt einen Wolpertinger gemalt hätte, dann hieße das noch lange nicht, dass dieser existierte. Auch wenn das Buch auf wahren Ereignissen basiert, bleibt immer noch die Frage der genauen Modalitäten, wie auch der Skalierbarkeit. Und auch wenn Cadenbach "könnten" statt "können" schreibt, die Behauptung ist zu weit gegriffen als dass man sie uneingeschränkt stehenlassen könnte. 2. Die Behauptung, dass der Film durch Wahl der Heldenprotagonistin einen neoliberalen Status Quo rechtfertige. Für eine Linie braucht man zwei Punkte. Es könnte sein, dass Gansel den Liberalismus als Antidotum zum vermeintlich überall latent existenten Faschismus lancieren möchte, aber dieser Schluss wirkt angesichts des minimalen zitierten Samplesets ein wenig bemüht. Überhaupt, die Figur, die sich bloß dadurch auszeichnet, dass sie sich um ihre Belange kümmert und nicht in Cliquenhaftigkeit oder Sonderlichkeit aufgeht, sofort zur Figur des Neoliberalen zu stempeln und ihr den Anstrich einer andersartigen Ersatzgewissenlosigkeit zu geben sagt vielleicht mehr über Herrn Cadenbach als über Herrn Gansel aus.
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